Die Geschichte von Sophia-Jacoba

Sophia Jacoba Schacht 3, Hückelhoven

 Das Aachener Revier nimmt für sich in Anspruch, das älteste urkundlich nachgewiesene Steinkohlerevier des kontinentalen Europas zu sein. Eigentlich ist das Aachener Revier eine sehr viel größerer kulturhistorische Einheit, als dies der Name anzeigt. Die geologischen und historischen Zusammenhänge mit den Kohlefeldern in Holland und Belgien legen es nahe, von einem Nieder-Maas-Revier zu sprechen. Auch in der Geschichte der Grube Sophia Jacoba sind die Verbindungsstränge ins benachbarte Holland offensichtlich. 1909-11 wurde Schacht 1 und 1911-18 Schacht 2 angelegt. Die ehemaligen Besitzer, die Familie Honigmann, verkaufte das Bergwerk an die größte niederländische Kohlenimportgesellschaft, die Steenkohlen Handelsvereeniging. Seit 1917 hieß die Zeche nach den Ehefrauen der holländischen Unternehmens- und Zechenleiter Sophia Jacoba. Die Zeche war die nördlichste Grube des Reviers und der größte Arbeitgeber im Kreis Erkelenz. Wegen der hohen untertägigen Gewinnungskosten (geringe Flözhöhen) wurde die Zeche Sophia Jacoba zum 31.12.1997 stillgelegt. Erhalten geblieben sind das Fördergerüst sowie das Verwaltungs- und Kauengebäude. Das 1929 begonnene und 1934 fertiggestellte Fördergerüst zählt zur Gruppe der zweigeschossigen Strebengerüste. Die Schachthalle sowie das Fördermaschinengebäude mit der Elektrofördermaschine stammen aus dem Jahre 1965. Das Verwaltungs- und Kauengebäude entstand im wesentlichen in den Jahren 1936/37. Der direkt an der Straße liegende Bauteil mit der Lohnhalle und den Büroräumen übernimmt eine Vermittlungsfunktion zwischen öffentlichem Raum und Zechengelände, und, da direkt gegenüber die Bergarbeitersiedlung liegt, auch zwischen Arbeiten und Wohnen. An die im Verwaltungsgebäude befindliche, zweigeschossige Lohnhalle schließt sich direkt die Waschkaue an, deren Dimension auch die Größe der Zeche verdeutlicht (1930 = 3.300 Beschäftigte).

Kampf um Sophia - Jacoba

1988 kam die überraschende Nachricht, dass Sophia - Jacoba, das modernste Steinkohlebergwerk Europas, 1991 stillgelegt werden sollte. In einem beispiellosen Kampf ist die Belegschaft von Sophia - Jacoba bis an die Grenzen der Zumutbarkeit gegangen. In der letzten Phase sind bis zu 1.000 Kumpel, 14 Tage Untertage geblieben, ohne ihre Arbeit zu vernachlässigen und haben anschließend bis zum Stilllegungs-Beschluß am 11.11.1991 3 Tage den Aachener Dom besetzt. Damit konnte die Stilllegung zwar nicht verhindert werden, aber es war bis 1997 ein Zeitraum gewonnen worden, in dem die 3844 Belegschaftsmitglieder für den Arbeitsmarkt vorbereitet und dort untergebracht werden konnten. Ohne Unterbrechung haben sich die Bergleute daran gemacht, dass ein Teil der "Sophia - Jacoba" erhalten bleibt. Was bot sich mehr an, als den Schacht 3 in Hückelhoven zu erhalten, den es in dieser ästhetischen Form nur noch ein einziges Mal auf der Schachtanlage Carl Funke in Essen gab.


[Bilder von Sophia Jacoba]

[NRW Karte]